Du öffnest League of Legends und statt des Spiels begrüßt dich eine Meldung zu Vanguard, oder das Spiel lässt sich gar nicht erst starten. Vanguard ist der Anti-Cheat, den Riot in LoL eingeführt hat und ohne den du heute nicht mehr ins Spiel kommst. Er läuft allerdings auf Kernel-Ebene des Systems, was ihn gleichzeitig zum wirksamsten und zum umstrittensten Teil des Clients macht. Dieser Text erklärt dir, was Vanguard tut, warum Riot ihn eingeführt hat, welche Anforderungen er an deinen PC stellt und was du tun kannst, wenn das Spiel seinetwegen nicht startet.
Was Vanguard ist und warum Riot ihn eingeführt hat
Vanguard ist das hauseigene Anti-Cheat-System von Riot Games, das die Firma erstmals 2020 bei Valorant eingesetzt hat. In League of Legends kam es vier Jahre später an, im Jahr 2024 (mit Patch 14.9). Ein Auslöser war unter anderem ein Sicherheitsvorfall aus dem Jahr 2023, bei dem der Quellcode von League of Legends und weiteren Riot-Spielen geleakt wurde. Danach hat die Firma den Schutz gegen unerlaubte Eingriffe in den Client verschärft.
Der Grund, warum es Vanguard überhaupt gibt, ist einfach: Klassische Anti-Cheats, die als normale Anwendung neben dem Spiel laufen, werden von Cheat-Software immer leichter umgangen. Vanguard arbeitet deshalb auf einer viel tieferen Ebene des Systems, im Windows-Kernel und nicht nur „neben“ dem Spiel. So kann er auch Eingriffe erkennen, die außerhalb des eigentlichen League-of-Legends-Prozesses stattfinden.
So funktioniert Vanguard unter der Haube
Vanguard besteht aus zwei Teilen. Der erste ist ein Kernel-Treiber, der bereits beim Start von Windows geladen wird und prüft, ob sich das System in einem vertrauenswürdigen Zustand befindet, also ob niemand in den Bootvorgang eingegriffen, einen verwundbaren oder unerlaubten Treiber geladen hat und so weiter. Der zweite Teil ist eine Anwendung im Benutzermodus, die sich aktiv um die Überwachung des Spiels selbst kümmert, sobald du es startest.
Unter macOS verwendet Riot eine andere, sogenannte „embedded“ Version von Vanguard. Sie läuft nur auf Anwendungsebene, ohne eigenen Kernel-Treiber, weil macOS das technisch anders verlangt als Windows. Linux unterstützt Vanguard überhaupt nicht, daher lässt sich League of Legends weder über Wine noch über Proton (typischerweise auf dem Steam Deck und Linux-Distributionen genutzt) starten.
Welche Anforderungen Vanguard an deinen PC stellt
Damit Vanguard das System als vertrauenswürdig verifizieren kann, müssen bestimmte Sicherheitsfunktionen auf Hardware- und Firmware-Ebene aktiviert sein:
- TPM 2.0: ein Chip (oder sein Software-Pendant fTPM/PTT direkt im Prozessor), der den Zustand der Firmware und des frühen Systemstarts signiert bestätigen kann.
- Secure Boot: eine UEFI-Funktion, die schon beim Hochfahren des PCs verhindert, dass nicht autorisierte Software geladen wird.
- UEFI-Modus: ein älteres BIOS ohne UEFI unterstützt Vanguard nicht.
- IOMMU: ein Hardware-Schutz für den Speicherzugriff von Geräten, den Vanguard unter anderem gegen sogenannte DMA-Cheats nutzt (Cheaten über externe Hardware, die mit dem Arbeitsspeicher des PCs verbunden ist).
In der Praxis bedeutet das: Auf gängigen PCs, die in den letzten rund zehn Jahren gebaut wurden, gibt es diese Funktionen im BIOS, sie sind aber oft standardmäßig deaktiviert. Auf älteren Systemen ohne TPM-2.0-Chip oder ohne UEFI-Unterstützung lässt sich League of Legends überhaupt nicht starten. Das ist kein Fehler, sondern eine harte Anforderung.
Warum das Spiel wegen Vanguard nicht startet
Die häufigste Ursache ist, dass eine der oben genannten Funktionen im BIOS deaktiviert ist, typischerweise Secure Boot oder TPM. Die zweite häufige Ursache: Der Vanguard-Dienst (VGC) läuft im Hintergrund nicht oder ist nicht richtig gestartet, was oft nach einem Windows-Update oder einem Eingriff des Antivirenprogramms passiert. Die dritte Möglichkeit ist, dass du das Spiel in einer virtuellen Maschine oder über Remotedesktop startest. Dort kann Vanguard die Vertrauenswürdigkeit des Systems grundsätzlich nicht prüfen und lässt das Spiel deshalb nicht starten.
So überprüfst du den Status von TPM und Secure Boot auf deinem PC, ohne ins BIOS zu gehen:
- Drücke Windows + R, gib tpm.msc ein und bestätige. Es öffnet sich ein Fenster mit dem Status des TPM-Chips und seiner Version.
- Drücke Windows + R, gib msinfo32 ein und bestätige. In der Systemübersicht findest du die Zeile „Sicherer Startzustand“ (Secure Boot State), an der du siehst, ob die Funktion aktiviert ist.
Ist eine der Funktionen deaktiviert, schaltest du sie in den BIOS/UEFI-Einstellungen deines PCs ein (meist mit der Taste Entf oder F2 direkt nach dem Einschalten, bevor Windows hochfährt). Wo genau die Optionen liegen, hängt vom Hersteller des Mainboards oder Laptops ab, halte dich also an die Anleitung des Herstellers. Unüberlegte Änderungen im BIOS lohnen sich nicht. Wenn du nicht sicher bist, was eine Option bewirkt, folge lieber der Herstelleranleitung, statt blind herumzuklicken.
Vanguard: On-Demand-Modus
Lange galt, dass der Vanguard-Treiber ab dem Start von Windows ständig läuft, auch wenn League of Legends gar nicht geöffnet ist. Das war einer der Hauptkritikpunkte. Im Juni 2026 hat Riot dieses Verhalten mit dem On-Demand-Modus geändert: Auf PCs, die ein strengeres Sicherheitspaket erfüllen (Windows 11 25H2, Secure Boot, TPM 2.0, IOMMU, Virtualization-Based Security und Hypervisor-Protected Code Integrity), wird der Treiber erst geladen, wenn du das Spiel startest, und nach dem Beenden wieder abgeschaltet. Laut Riot erfüllte beim Start etwa ein Drittel der Spieler die Voraussetzungen für diesen Modus, der Rest musste die entsprechenden Funktionen im System manuell aktivieren.
Mit anderen Worten: Wenn du ein aktuelleres Windows 11 hast und alle genannten Funktionen aktiviert sind, läuft Vanguard bei dir nicht mehr dauerhaft im Hintergrund, sondern nur, während du spielst.
Die Kontroverse um Vanguard
Vanguard ist zu Recht umstritten, und es lohnt sich zu sagen, warum, statt es zu verschweigen.
Der Haupteinwand betrifft den Umfang des Zugriffs: Software, die im Kernel läuft, hat theoretisch Zugriff auf alles, was im PC passiert, nicht nur auf League of Legends. Kritiker vergleichen das mit dem Verhalten von Rootkits. Nicht, weil Vanguard schädlich wäre, sondern weil die verwendete Technik dieselbe ist wie bei Schadsoftware, und ein Fehler oder eine Sicherheitslücke in Kernel-Code kann das ganze System zum Absturz bringen, nicht nur das Spiel. Riot entgegnet, dass Vanguard nur die Daten sammelt, die zur Cheat-Erkennung nötig sind. Unabhängig zu überprüfen, was die Software genau tut, ist bei geschlossenem Code im Kernel aber nicht einfach.
Ein zweites Thema, das regelmäßig aufkommt, ist die Eigentümerschaft von Riot Games durch das chinesische Unternehmen Tencent und die Sorge, ob jemand anderes als Riot Zugriff auf Daten aus Vanguard haben könnte. Riot sagt nein und betont, nur das Minimum zu sammeln, das zur Cheat-Erkennung nötig ist. Von außen technisch überprüfen lässt sich diese Sorge aber nicht.
Im Mai 2026 kam noch ein Vorfall dazu: Riot hat per Vanguard-Update sogenannte DMA-Cheats lahmgelegt, also externe Hardware für Tausende Dollar, die sich mit dem Arbeitsspeicher des PCs verbindet und Spieldaten daraus ausliest. Die Firma veröffentlichte damals in den sozialen Netzwerken ein Foto der deaktivierten Geräte mit einem Kommentar über einen „6.000-Dollar-Briefbeschwerer“ (paperweight). Ein Teil der Community verstand das als Drohung, Vanguard könne normale Hardware dauerhaft beschädigen. Riot stellte daraufhin klar, dass das Update ausschließlich auf bestimmte Cheat-Geräte zielte, die über SATA/NVMe angeschlossen sind, und dass Vanguard legitime Komponenten oder den ganzen PC weder beschädigen kann noch soll. Er macht nur bestimmte Cheat-Hardware funktionsunfähig, solange der IOMMU-Schutz aktiv ist, den LoL und Valorant voraussetzen.
Fazit zur Kontroverse: Vanguard ist invasiver als die meisten Anti-Cheats, und das ist eine Tatsache, keine Übertreibung. Gleichzeitig gibt es keine Belege für schädliches Verhalten gegenüber normalen Spielern. Es geht um ein Risiko, das daraus entsteht, dass alles, was im Kernel läuft, grundsätzlich eine größere Reichweite hat als Software außerhalb des Kernels. Ob dieser Kompromiss für dich im Tausch gegen weniger Cheater in deinen Matches akzeptabel ist, entscheidest du selbst. Was aber definitiv keinen Sinn ergibt, ist der Versuch, Vanguard durch Abschalten von Secure Boot oder mit Software von Drittanbietern zu umgehen. Damit riskierst du sowohl die Stabilität deines Systems als auch einen Account-Bann, denn Riot wertet das Umgehen des Anti-Cheats unabhängig vom Grund als Cheaten.
Vanguard nutzen alle Riot-Spiele gemeinsam
Vanguard ist keine Besonderheit von League of Legends. Riot hat ihn 2020 zuerst bei Valorant eingesetzt und nach und nach auf Teamfight Tactics, Legends of Runeterra und 2XKO ausgeweitet. Das bedeutet zwei praktische Dinge: Die Anforderungen an TPM 2.0, Secure Boot und UEFI sind in allen Spielen gleich. Wenn du die Voraussetzungen für League of Legends einmal erfüllst, erfüllst du sie also auch für die anderen Riot-Spiele. Und wenn Vanguard wegen eines Spiels bereits installiert ist, musst du ihn für ein anderes nicht erneut installieren, denn Installation und Hintergrunddienst werden vom gesamten Riot Client gemeinsam genutzt.
Was tun, wenn das Spiel wegen Vanguard nicht startet
Ein schneller Ablauf, bevor du dich an tiefere Lösungen machst:
- Starte den PC neu. Ein Neustart allein behebt einen großen Teil der Probleme mit dem Vanguard-Dienst.
- Prüfe mit tpm.msc und msinfo32, ob TPM 2.0 und Secure Boot aktiviert sind (Anleitung weiter oben).
- Kontrolliere im Task-Manager oder über services.msc, dass der Vanguard-Dienst (VGC) läuft und auf automatischen Start eingestellt ist.
- Stelle sicher, dass du das Spiel nicht in einer virtuellen Maschine, über Remotedesktop oder in einer Sandbox startest. Dort lässt Vanguard das Spiel absichtlich nicht starten.
- Hilft nichts davon, installiere Vanguard über den offiziellen Riot Client oder das Hextech Repair Tool neu.
Konkrete Vanguard-Fehlercodes und was du bei jedem davon genau tun musst, findest du ausführlich im Artikel die häufigsten Fehler beim Start von LoL.
FAQ
Ja. Seit der Einführung im Jahr 2024 ist Vanguard in LoL ein Pflichtbestandteil des Clients, ohne ihn kommst du nicht ins Spiel.
Es ist kein schädliches Verhalten gegenüber normalen Spielern dokumentiert, aber Vanguard läuft im Kernel, was grundsätzlich mehr Zugriff und ein größeres Risiko bedeutet, falls im Code ein Fehler auftaucht. Es ist ein Kompromiss zwischen Schutz vor Cheatern und dem Umfang des Zugriffs, den die Software erhält.
Vanguard gibt es für Linux nicht, daher startet das Spiel weder über Wine noch über Proton. Unter macOS läuft eine andere, weniger invasive Version von Vanguard ohne Kernel-Treiber.
Das ist ein Sicherheitschip (oder sein Software-Pendant), der signiert bestätigen kann, dass das System in einem vertrauenswürdigen Zustand gestartet ist. Vanguard nutzt diese Information, um zu prüfen, dass niemand in den Bootvorgang eingegriffen hat.
Früher ja, und das war einer der Hauptkritikpunkte. Seit Juni 2026 läuft Vanguard auf PCs, die strengere Sicherheitsanforderungen erfüllen (Windows 11 25H2 und weitere Funktionen), nur, während das Spiel geöffnet ist.
Nein. Das Update vom Mai 2026 hat nur bestimmte Cheat-Geräte blockiert, die mit dem Arbeitsspeicher des PCs verbunden sind, nicht die normale Hardware der Spieler. Riot hat eine Beschädigung legitimer Hardware öffentlich ausgeschlossen.
Angaben geprüft am 27. August 2026, Stand Patch 26.18. Konkrete Fehlercodes und ihre Lösungen findest du im Artikel die häufigsten Fehler beim Start von LoL, wie du das Spiel herunterlädst und installierst, beschreibt die Anleitung zu Download und Installation, und was bei Ping und Verbindung zu tun ist, klärt Ping, Lag und Verbindung in LoL. Wo überall du LoL spielen kannst und welche Sprache du wählen solltest, erfährst du im Artikel Sprache, EUNE und Server. Die komplette Übersicht der Champions steht im Artikel Champions in LoL, den ganzen Hub findest du in der Rubrik League of Legends.

