Nach achtzehn Monaten im Early Access ist die Vollversion der tschechischen Sci-Fi-Strategie Heroes of Science and Fiction da. Ihre Inspiration haben die Entwickler nie verheimlicht: Es ist die Struktur von Heroes of Might and Magic in einem futuristischen Gewand, und die Frage ist, ob der bewusst traditionelle Ansatz gegen Songs of Conquest oder das neue Disciples bestehen kann.
Testbericht
Heroes of Science and Fiction
Ein tschechisches Sci-Fi-Rundenstrategiespiel als Liebesbrief an die alten Heroes: konservativ, inhaltlich großzügig und mit Suchtpotenzial.
- Genre
- Rundenstrategie
- Entwicklung
- 18 Monate im Early Access
- Fraktionen
- 5
- Kampagnen
- 4 mit je vier Missionen
- Multiplayer
- Ja, in der Testphase
Das gefällt
- Riesige Menge an Inhalt für den Preis
- Fünf Fraktionen mit eigener Musik und eigenem Look
- Kartengenerator und Szenario-Editor
Das hakt
- Der technische Fertigkeitszweig ist übermächtig
- Die Bewegung des Helden lässt sich nicht beschleunigen
- Ladezeiten und KI-Züge bremsen
Getestet auf PC · Vollversion nach dem Early Access
Bekanntes Gerüst in unbekannter Kulisse
Rundenbasierte Spiele gab es in den letzten Jahren reichlich, aber Sci-Fi bleibt als Thema seltsam vernachlässigt. Heroes of Science and Fiction füllt diese Lücke mit dem klassischen Loop: Siedlungen verwalten, futuristische Armeen anheuern, unerforschte Planeten erkunden. Ab der ersten Minute fühlt sich das vertraut an und wirkt trotzdem wie eine Entdeckung, einfach weil das Genre kaum in diesem Setting landet.
Story und Atmosphäre
Die Story verteilt sich auf vier Kampagnen mit je vier Missionen und folgt verschiedenen Helden, deren Wege in einem gemeinsamen Handlungsbogen zusammenlaufen. Die Handlung ist gekonnt geschrieben: Wendungen, politische Intrigen und persönlicher Verrat halten die Aufmerksamkeit auch dann, wenn sich das eigentliche Spielen zu wiederholen beginnt.
Bei der Atmosphäre wächst das Spiel über sein Budget hinaus. Jede der fünf Fraktionen hat ihren eigenen Charakter: totalitäre Weltraummaulwürfe, die angemessen beklemmend wirken, anarchistische Piraten, organische Wesen, eine menschliche Allianz und eine technologisch hochentwickelte Roboterrasse. Jede Seite hat ihre eigene Bildsprache und vor allem ihre eigene Musik.
Die Grafik stellt keine hohen Ansprüche an die Hardware und setzt stattdessen auf detaillierte, farbenfrohe Modelle von Planeten und Basen. Die Welt erkundest du gern, nur führt die Dichte an Reizen manchmal dazu, dass du eine Truhe mit Gold oder eine wichtige Mine übersiehst. Daran haben die Entwickler gedacht und eine Taste eingebaut, die alle interaktiven Objekte auf einmal hervorhebt.
Gameplay und Mechaniken
Im Kern steht die Verwaltung der Siedlungen: Du baust Infrastruktur, rekrutierst Einheiten und bewegst dich rundenweise über die Karte, während dein Held Rohstoffe sammelt und Schlüsselpunkte einnimmt. Kämpfe laufen auf einem eigenen Bildschirm ab, auf dem sich die Einheiten abwechseln, und einmal pro Zug kann der Held mit einer Spezialfähigkeit eingreifen, in diesem Setting eher mit fortschrittlicher Technologie als mit einem Zauber.
Das Ungleichgewicht zeigt sich in den Fertigkeitsbäumen. Von den vier ist der technische Zweig fast schon unfair. Orbital Bombardment entscheidet einen Kampf, bevor er beginnt: Wenn du dich darauf spezialisierst, löschst du den Großteil der gegnerischen Armee gleich in der ersten Runde aus. Dem Ego schmeichelt das, der Herausforderung schadet es.
Der zweite Kritikpunkt ist die Bewegung. Anders als in Songs of Conquest, wo man sie beschleunigen kann, verfolgst du hier jedes Feld, das dein Held zurücklegt. Bei fünf, sechs Figuren ist das eine echte Belastung, und sie summiert sich mit den langsamen Zügen der Gegner und mit Ladezeiten, die eine Minute dauern können.
Trotzdem macht der Loop süchtig. Das „Nur noch eine Runde“-Syndrom greift, der Kartengenerator und Dutzende Szenarien im Conquest-Modus auf vier Planeten halten das Spiel wochenlang lebendig, und der Multiplayer, noch in der Testphase, verspricht ein längeres Leben, als es Spiele mit diesem Budget normalerweise haben.
Fazit
Heroes of Science and Fiction ist ein Liebesbrief an die alten Heroes. Es will keine Revolution, sondern eine solide Evolution in einem ungewöhnlichen Setting, und das gelingt. Wenn du ein konservatives Rundenstrategiespiel suchst, das dich nicht mit cleveren Neuerungen verwirrt, bist du hier zu Hause.
Die größte Stärke ist die Menge an Inhalt im Verhältnis zum Preis: Dutzende Stunden, gut gebaute Kampagnen und ein Editor für eigene Abenteuer. Gebremst wird das Spiel von technischen Unzulänglichkeiten und einer gewissen Vorsicht bei Innovationen. In die Bibliothek von Fans der Rundenstrategie gehört es trotzdem. 8/10.
FAQ
Ja, Untertitel und Benutzeroberfläche sind vollständig und gelungen in der Sprache des Heimatmarkts lokalisiert, also auf Tschechisch.
Fünf: Weltraummaulwürfe, Piraten, organische Wesen, Menschen und Roboter, jede mit eigenem Artstyle und eigenem Soundtrack.
Ja, vorerst in der Testphase. Dazu kommt ein Karteneditor für Community-Inhalte.
Es gibt vier Kampagnen mit je vier Missionen, was zusammen mit den Nebenszenarien Dutzende Stunden ergibt.
Ja. Orbital Bombardment kann den Großteil der gegnerischen Armee in der ersten Runde auslöschen, und die Spezialisierung darauf senkt den Schwierigkeitsgrad des ganzen Spiels spürbar.
Angaben geprüft am 7. September 2026, Vollversion nach dem Early Access. Balance-Patches können die Stärke des technischen Zweigs mit der Zeit anpassen. Weitere Testberichte: Sengoku Dynasty, Vampire Crawlers, Diablo 4: Lord of Hatred und Samson. Die komplette Liste findest du in der Rubrik Testberichte, Spielanleitungen in der Rubrik Spielguides.

